Liebe Augustusbürger,

die neuesten Meldungen des RKI (aktueller Wochenbericht) lassen nichts Gutes für diesen Winter erahnen. Befeuert durch die schlechte Impfquote steigt nicht nur die Zahl der Infizierten. Auch die Zahl der Impfdurchbrüche nimmt langsam aber stetig an Fahrt auf.

Das sollte uns allen zu denken geben!

Vor allem in der Altersgruppe 60+ und bei Kindern und Jugendlichen steigen die Inzidenzen. Auf Regionalwerte von bis zu 1000 auf 100.000 Einwohner. Auch ingesamt sind die Zahlen höher, als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Schon jetzt und die kalte Jahreszeit hat noch nicht einmal richtig begonnen. Grund zur Panik besteht nicht. Aber Grund zur Sorge schon. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass ich eine gewisse Müdigkeit bei der Einhaltung von 3G beobachte. Auch und nicht zuletzt in einige Gastrobetrieben der Stadt scheinen inzwischen Normalität über Disziplin und vor allem über der Vernunft zu stehen. Als Verantwortlicher dieser Stadt, besonders mit Blick auf all das, was wir zusammen in den Monaten der Pandemie vorbildliches geleistet haben und all dem, was Gesellschaft an Hilfen mobilisiert hat, sehe ich das mit einem gehörigen Maß an Enttäuschung und Verwunderung zugleich. Denn zum einen verlängert ein solches Vorgehen das Drama unnötig, den es erhöht die Infektionsgefahr für ALLE. Zum anderen ist es im höchsten Maße unsolidarisch den Unternehmen gegenüber, die sich an die Regeln halten. Das ist mehr als traurig.

Aber auch diejenigen unter uns sind auf dem Holzweg die glauben, es spiele ja nur für sie selbst eine Rolle, ungeimpft zu bleiben. Oder eben auch nur alle Schutzmaßnahmen zu ignorieren. Und ich weiß, dass es einfach ist, sich mit dieser Erzählung raus zu nehmen aus dem, was wir gemeinschaftliche Verantwortung nennen. Und vielleicht ist es auch nicht so einfach zu verstehen, dass dies nicht stimmen kann. Fakt aber ist: Es ist falsch.

Wissenschaftlich gesehen ist es bewiesener Maßen ein Irrglaube, das Ungeimpfte für die Geimpften keine besondere Gefahr darstellen. Warum? Solange das Virus noch in einigen Gruppen der Bevölkerung ungehindert kreisen kann, solange besteht auch für die Geimpften eine deutlich höhere Möglichkeit, sich zu infizieren. Denn das Virus ist einfach häufiger vorhanden. Eben auch bei denen, die uns nahe kommen. Und da die Impfstoffe nicht zu 100 Prozent schützen (nein, das ist keine Neuigkeit und war auch niemals versprochen), steigen damit auch die Zahlen der Impfdurchbrüche. Und natürlich auch dadurch, dass die Zahl der Geimpften an an sich steigt. Und auch wenn das dem einen oder anderen unverständlich scheint. Es ist logisch. Denn: Je mehr Geimpfte da sind, die sich eben zu einem Teil leider auch dennoch infizieren können, desto  mehr Impfdurchbrüche kann es geben. Maßgeblich befeuert, weil das Virus im Rest der Bevölkerung quasi gerade wieder Party feiert. Es wird kalt. Wir gehen wieder mehr in Innenräume. Beste Voraussetzungen also für eine Infektion.

In der Bevölkerungsgruppe 60+ hat dies schon jetzt ernste Folgen. So betrug der  Anteil wahrscheinlicher Impfdurchbrüche
unter symptomatischen COVID-19-Fällen in dieser Altersgruppe in den vergangenen zwei Wochen im Bundesschnitt 55,4%. Unter schweren Verläufen in Krankenhäusern 39,6% und unter Intensivfällen 28,8%. 

Nein. Ich möchte Niemandem vorschreiben, sich impfen zu lassen. Doch die Zusammenhänge, die Folgen dessen müssen jedem bewusst sein. Nur das Impfen wird diese Pandemie beenden. Und unsere Vernunft und die Vorsicht, die nicht zu verwechseln ist mit Angst und Panikmache. Was nicht mein Ziel ist. Dennoch aber ist es auch meine Aufgabe, auf die Ernsthaftigkeit und die notwendige Solidarität untereinander hinzuweisen. Und letztere auch einzufordern. Wer sind wir, wenn wir dass nicht mehr hinbekommen? Ist es doch im Interesse aller. Das Wir besteht aus vielen Ichs. Und soll es dem Wir gut gehen, müssen diese Ichs ihren Beitrag dazu leisten. Und wer es nicht per Impfung möchte oder kann, der kann es durch Tests, Maske und kluge, unängstliche und erwachsene, eigenverantwortliche Vorsicht. Gepaart mit Rücksicht auf den anderen, der neben einem steht. Und der auch mitträgt an dieser Situation. Leicht ist das nicht. Aber machbar. Und ertragbar auch Dinge für andere umzusetzen, die einem unangenehm sind. Wie beispielsweise eine Maske zu tragen.

Ich ahne, dass Politik den Ausstieg aus all der verordneten Vorsicht vorbereitet. Ich möchte nicht urteilen, ob dies gut oder schlecht ist. Das steht mir nicht zu. Eines aber würde es bedeuten. Das Problem, das ich hier skizziere, ist dann noch immer da. Es wird nur unsichtbarer. Bleibt im Dunkel des Privaten verborgen. Mit all seinen Schatten. Was bedeuten würde, dass wir noch vernünftiger mit der Lage umgehen müssten. Weil es uns dann nämlich niemand mehr vorschreibt und wir es aus uns heraus im Auge behalten müssen. Was angemessen ist und was nicht. Ich habe Zweifel, dass dies funktionieren wird. Insbesondere, wenn ich hören, dass Menschen „jetzt erst recht“ nicht mitmachen wollen. Bei all dem, was Vorsicht nunmal nach sich zieht. Dass sie „denen da oben“ mal zeigen wollen, dass sie das nicht machen können. Und so sehr ich manchen dieser Ausbrüche menschlich verstehen kann. Es ist und bleibt falsch. Denn treffen wird dieses teils bockige „Ätsch“ nicht „die da oben“. Nein. Es trifft unsere Nachbarn, den Opa von nebenan, uns.

So sehr ich es selbst auch nachvollziehen kann, dass wir alle langsam von diesen Beschränkungen genervt sind. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir alle die Verantwortung für unser Handeln tragen müssen. Wir. Alle. Also bitte ich Euch alle, sich noch einmal zur Disziplin aufzuraffen, das jeweils persönlich Möglichste zu tun. Ob sich das auf das Einhalten der Regeln beschränkt oder doch noch zu einer Impfentscheidung führt, dies  bleibt jedem selbst überlassen. Aber das Mögliche muss es sein. Nicht weniger. Bleiben wir solidarisch. Das ist, was uns am Ende ausmacht.